Testbericht: Kletterausrüstung – Seil Mammut Vertex 10mm, Expressen und einiges mehr

Nachdem wir neben Hallenklettern auch immer öfter am Fels unterwegs sind, war es allerhöchste Zeit eine geeignete Ausrüstung zu beschaffen. Fokus dabei lag natürlich auch auf dem Gewicht, da einige Sachen davon auch mal mit auf eine Hochtour sollen. Spätestens beim Seil ist hier aber eine Doppeltnutzung schwerer. Trotz leichtem Gewicht will man kein 60 m Einfachseil den Berg hinaufschleppen, wenn nur eine kleine Gletschertour ansteht. Jetzt aber zu den Testprodukten (alle unter www.berfreunde.de erhältlich) im Einzelnen:

Mammut Vertex 10mm Einfachseil
Mammut Vertex 10mm Einfachseil

– Seil: Mammut Vertex 10 mm Einfachseil
– Seiltasche: Salewa Rope Sac
– Climbing Technology, Lime Set Nylon, Express-Set
Vaude Montserat, Chalkbag

Ich habe inzwischen alle genannten Produkte bereits in der Halle und am Fels getestet. Schauen wir uns zuerst das Kletterseil Vertex von Mammut an. Mit seinem Durchmesser von 10mm liegt das Vertex im Normalbereich bei Einfachseilen. Mit 67 g/m liegt das Vertex im Mittelfeld. Ist aber ein sehr einfach zu handelndes Seil. Die Sicherung mit dem ATC (bei mir Black Diamond ATC XP) geht ohne Probleme. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings die glatte Oberfläche des Seils, weshalb man etwas mehr Kraft beim sichern mit dem ATC benötigt. Aber ohne Probleme machbar, wenn man sich an die +/- 30 % Gewichtsunterschied zum Kletterpartner hält. Das Seil ist unempfindlich gegen Dreck und Schmutz, obwohl es nicht extra imprägmiert ist. Daher ist das Vertex auch perfekt für draussen geeignet. Die Details des Kletterseils im Überblick:

Seiltyp: dynamisches Einfachseil
Einsatzbereich: Sportklettern (Fels und Halle), Bergsteigen + Alpinklettern
Durchmesser: 10 mm
Gewicht: 67 g/m
Längen: 50 m, 60 m, 70 m
Normstürze: 7-8
Fangstoß: 9,4 kN
Dynamische Seildehnung: 30%
Statische Seildehnung: 6,5%
Mantelanteil: 36%
Mantelverschiebung: +/- 0 mm
Mittelmarkierung: ja

Seiltasche:
Ich bin mit der Salewa Seiltasche (Rope Sac) vollauf zufrieden. Super Preis-/Leistungsverhältniss für eine geräumige, robuste Seiltasche. Die integrierte Plane bietet einen guten Schutz gegen Nässe und Schmutz.

Climbing Technology Express-Set
Climbing Technology Express-Set

Expressen von Climbing-Technology:
“Gewichtsrevolution mit tollem Handling: das Lime Set Nylon von Climbing Technology kommt mit robusten Schnappkarabinern und nur 98 g Gewicht! Mit hochwertiger 16 mm Nylonschlinge und den beiden Lime Karabinern (gerader und gebogener Schnapper)”. Was will man da sagen. Gewicht–> super. Bedienung –> super. Einfaches Einklicken durch den gebogenen Schnapper. Kann man also nur empfehlen. Meiner Ansicht nach ein super Expressen-Set für diesen Preis!

Chalkbag:
gut und günstig ist der Montserrat Chalkbag von Vaude! Klassisch mit zwei Gürtelschlaufen, Bürstenhalter und weichem Fleecefutter für trockenes Chalk – eben genau so, wie es sein soll! Außerdem kommt der Montserrat gleich inklusive Hüftgürtel. Verschiede Farbvarianten sollten für jeden Geschmack etwas bieten. Das Wichtigste ist aber gegeben: großer (verschließbarer) Eingriff und die Befestigung per Gürtelschnalle.

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Testbericht: La Sportiva Boulder X – Approachschuh

– UPDATE von Ende Juli 2011 –
ich habe den La Sportiva Boulder X jetzt auch auf einer längeren Tour getragen. Und siehe da – die Sohle am linken Schuh löst sich….. Sobald ich News von La Sportiva bekomme, gibt es einen Vermerk an gleicher Stelle.
Nach nicht einmal 2 Wochen habe ich den reparierten Schuh zurückbekommen. Bergzeit hat das ganze schnell geregelt. La Sportiva den Schuh repariert und mir zurückgesendet.

La Sportiva Boulder X - Sohle löst sich
La Sportiva Boulder X - Sohle löst sich
La Sportiva Boulder X - Sohle löst sich
La Sportiva Boulder X - Sohle löst sich

– Ende UPDATE –

Asymmetrisches Schnürsystem, Kletterzone im Zehenbereich, ein insgesamt neues Sohlenkonzept soll besten Grip bieten und das Impact Brake System soll den Abstieg vereinfachen und das spezielle Sohlendesign des Boulder X verspricht bis 20 % mehr Dämpfung. Viele Versprechen, die man in einem Praxistest auf die Probe stellen kann.

La Sportiva Boulder X
Testbericht: La Sportiva Boulder X - Approachschuh

Schauen wir den vom Alpin-Magazin 2010 ausgezeichneten Schuh also mal näher an und stellen die versprochenen Eigenschaften im Praxistest auf die Probe. Meine Anforderungen: Griffiger Schuh für leichte Wanderungen, Klettersteige, Zustiegspassagen zu Kletterfelsen. Also überall dort, wo die schweren Bergstiefel überdimensioniert sind. Die Sohle soll dabei bei leichten Klettertouren oder Klettersteigen ebenso Grip bieten, wie bei kurzen Wanderungen in anspruchsvollerem Gelände. Da ich mit meinem La Sportiva Trango Evo einen tollen Bergschuh habe, bleibe ich bei La Sportiva und meine Wahl fällt auf den vielgelobten “Boulder X” Approachschuh.

Ich will gleich mal vorgreifen. Seit ich den Schuh im Einsatz habe, bin ich begeistert. Den­noch ver­su­che ich die­sen Schuh neutral und mit allen Vor- und Nach­tei­len zu beleuch­ten. Und es gibt auch Nachteile. Schließlich soll der Bericht allen Inter­es­sierten nütz­li­che Infor­ma­tio­nen über die Pass­form, Per­for­mance und andere Eigen­schaf­ten zu geben.

Optik / Verarbeitung:

Fangen wir mit der Optik und der Verarbeitung an. Hier zeigt sich gleich die gewohnt sorgfältige und sehr gute, hochwertige Verarbeitung von La Sportiva. Auch auf den zweiten Blick sind keine Mängel in der Verarbeitung zu erkennen. Optisch gibt es sicher auffälliger gestaltete Schuhe, als die Boulder X. Allerdings sind die Approachschuhe ja auch nicht zum flanieren in der Stadt gemacht. Und man bekommt einen richtigen Lederschuh, was heute bei den ganzen (bestimmt nicht schlechten) Kunstmaterialien nicht selbstverständlich ist. Für mich aber immer noch ein Qualitätsmerkmal ist.

Passform
Der Hinweis in der Artikelbeschreibung bei Bergzeit ist absolut richtig. Der Schuh sollte ruhig eine Nummer größer bestellt werden. Generell sind die La Sportiva Schuhe bekanntlich eher für schlankere Füße gemacht. Aufgrund des weit nach vorne gezogenen, asychronen Schnürsystems kann die Schnürung aber sehr flexibel angepasst werden und ich würde sagen, somit sollte der Schuh auch bei anderen Fußformen passend sein. Durch die asynchrone Schnürung (Vorbild Kletterschuh Mythos) ist ein optimaler Halt auch in steilen Passagen oder Kletterpassagen optimal. Wer will kann sich auch noch eines kleinen Tricks beim Binden bedienen und dadurch die Schnürung um den Oberfuß verstärken. Einziger Nachteil: Durch das Leder weitet sich der Schuh. Was am Anfang zu eng wirkt, ist nach ein paar Mal tragen optimal.

Griffigkeit / Praxisgebrauch

Von der Sohle des Boulder X bin ich begeistert. Griffig am Fels, Stabil auch auf Geröll. Somit ein optimaler Schuh wie ich finde sowohl für Klettersteige, Zustiege oder kürzere Wandertouren. Daher habe ich den Boulder X gleich am Wochenende im Tiroler Ötztal unter Belastung auf einem K5-Klettersteig und danach beim klassichen Zustieg zur Kletterwand getestet und war begeistert.

Ein Bekannter hat mir neulich berichtet, dass er mit dem Schuh sogar eine 6+ geklettert ist. Wie auch immer, Kletterschuhe ersetzt der Schuh natürlich nicht, aber sicher im Zustiegsbereich und Klettersteigbereich eine sehr gute Wahl. Und es kann ein spontaner Bouldereinsatz ohne Probleme in Angriff genommen werden.

Nachteil

Dadurch dass der Boulder X von La Sportiva mit seinen 800 Gramm Gewicht etwas schwerer ist, kommt der Schuh als Zweitschuh auf Trekkingreisen eher nicht in Frage. Hier würde ich zu Trail-Running Schuhen mit geringem Gewicht tendieren, die ich im Rucksack transportieren kann.

Fazit

Ich kann den Boulder X von La Sportiva bisher nur empfehlen. Robust durch die Gummieinfassung, angenehmes Leder, direkte Schnürung und angenehmer Tragekomfort. Einzig das impact Brake System habe ich bisher nicht direkt wahrgenommen.


Produktinfo:
– La Sportiva Boulder X

Konstruktion:
– Approachschuh, Zustiegsschuh

Einsatzbereich:
– Zustiege und Klettersteige

Produktdetails:
– Obermaterial: Sämischleder mit Gummischutzrand
– Futter: Meshgewebe
– Zwischensohle: EVA und PU
– Sohle: Vibram mit Impact Brake System

Gewicht:
– 800 Gramm

Größen:
– 36-47,5 (auch halbe Nummern)

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Wandertour zur Speckkarspitze (2606m, Nordkette, Karwendel)

Bei wolkigem Himmel treffen wir uns im Halltall bei Innsbruck und fahren bis ans Ende des Tales. Dort parkt man auf dem großen Parkplatz vor der Schranke, die meist geschlossen ist. Über einen Forstweg geht es an den alten Herrenhäusern im Halltal bergauf zum Lafatscher Joch im Karwendel. Nach ca. 1,5 Stunden erreicht man das Lafatscher Joch auf knapp 2000 m Seehöhe. In nördlicher Richtung geht ein Weg hinab zum Hallangerhaus, das auf der Via Alpina liegt und Station auf dem Fernwanderweg von München nach Venedig ist. Daher begegnen einem bis zum Joch viele Halsbrecherische Mountainbiker und Fernwanderer.

Geröllfeld an der Speckkarspitze, Karwendel
Speckkarspitze, Karwendel

Wir gehen vom Lafatscher (Lafatscher = “langer fader Hatscher” sagen manche Tiroler) Joch dirkt über den Grat in östlicher Richtung auf die Speckkarspitze zu. Für die letzten 250 hm ist Schwindelfreiheit und Trittsicherheit unbedingt erforderlich. Den hier geht es in leichter Kletterei über luftigen Grat zur Speckkarspitze. Aber ein sehr interessanter Weg! Nach anstrengenden 1300 hm erreichen wir den Gipfel der Speckkarspitze und geniessen den Blick auf den benachbarten Bettelwurf, die Tuxer sowie die Stubaier Alpen. Auch Innsbruck und die Skisprungschanze mit der Europabrücke am Brenner im Hintergrund bereichern das Panorama.

Abstieg: Der Abstieg kann auch über den Nordgrat erfolgen. Der obere Teil ist hier Drahtseilverischert. Der untere Bereich bis zum Lafatscher Joch ist deutlich einfacher als der Steig über den Westgrat. Am Lafatscher Joch bietet sich für eine Rundtour und eine Übernachtung der Weg zum Hallangerhaus an. Ansonsten gilt es den gleichen Weg nach unten zu gehen.

Bilder & Karte

Fak­ten zur Tour:
Start: Halltal bei Innsbruck, Parkplatz am Talende (im Som­mer Park­ge­bühr)
Ende: Halltal bei Innsbruck
Höhen­me­ter: ca. 1300 hm
Dauer: ca. 5,5 Stunden

Aus­rüs­tung:
festes, griffiges Schuhwerk wegen Geröll und Kletterpassagen
Anfor­de­run­gen:
anfangs leichter Forstweg, danach Geröll. Im Gipfelanstieg undbedingt Schwin­del­frei­heit und Tritt­si­cher­heit erfor­der­lich
Hin­weis: Gipfelanstieg nach dem Lafatscher Joch geradeaus über den Sattel zur Speckkarspitze. Dieser Weg ist der anspruchsvollere. Nach dem Joch auf der nördlichen Seite zum Gipfel ist der etwas einfachere Weg. Oben Drahtseilgesichert.
Einkehr: unterwegs keiner. Für Leute mit starker Kondition kann die Bettelwurfhütte in die Tour eingebaut werden.

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