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Klettersteig zum Ellmauer Halt (Wilder Kaiser, 2344m)

Es ist Ende April 2011. Von Kufstein aus, sieht der Kaiser in diesem Frühjahr schon relativ schneefrei aus, dennoch sind wir uns noch gar nicht sicher, ob die Tour zu dieser frühen Jahreszeit machbar ist. Ohne Hilfe von Steig­ei­sen wol­len wir auf den Ell­mauer Halt (2344m) im Wil­den Kai­ser. Da der Gam­sän­ger­steig, einen mit­tel­schwe­rer Klet­ter­steig meist südseitig ausgerichtet ist wol­len wir von der Wochen­brun­ner Alm bei Ell­mau in Tirol zum Ell­mauer Halt starten und hoffen, dass der Steig auf der Südseite schon weitgehend schneefrei ist.

Gruttenhütte zum Ellmauer Tor - Jubiläumssteig
Gruttenhütte zum Ellmauer Tor - Jubiläumssteig

Mal schauen was ohne Steig­ei­sen geht. Den Klet­ter­steig­helm (warum der Helm nütz­lich ist, dazu spä­ter) ein­ge­packt, star­ten wir um sie­ben Uhr in der Früh vom Park­platz der Wochen­brun­ner Alm Rich­tung Grut­ten­hütte, die aller­dings erst an Pfings­ten die Tore öffnet. Somit also keine Ein­kehr­mög­lich­keit unter­wegs. Rund um die Grut­ten­hütte tref­fen wir zahl­rei­chen Gem­sen, wel­che die frühe Stunde noch nut­zen um in Ruhe die schö­nen Berg­wie­sen an der Grut­ten­hütte zum fres­sen zu nut­zen. Komi­scher­weise las­sen die sich auch nicht wirk­lich durch uns stören.

Wir las­sen die Grut­ten­hütte hin­ter uns und stei­gen auf dem gut beschil­der­ten Weg wei­ter. In dem wei­ten Kar unter­halb des Hoch­gru­bach (ver­mut­lich Hoch­gru­bach­kar würde ich sagen) erwar­tet uns eine oft­mals noch 1 Meter starke, geschlos­sene Schnee­de­cke und ein tol­ler Blick zum Tagesziel, dem Ellmauer Halt. Zu die­ser Stunde ist der Schnee zwar auf der Ebene gut zu gehen weil gefroren, aber der Anstieg zum Einstieg in den Gam­sän­ger­stei­ges ist etwas müh­sam und rut­schig. Jetzt wird es auch span­nend um die mit­ge­brach­ten Klet­ter­steig­helme. Da immer wie­der Steine aus der Wand her­un­ter­se­geln, bie­tet ein Klet­ter­steig­helm zumin­dest einen psy­cho­lo­gi­schen Schutz. Wenn der Steig im Som­mer viel began­gen ist, sollte man auf kei­nen Fall auf Klet­ter­steig­helm und eventl. Klet­ter­steigset ver­zich­ten, da die Weg­füh­rung doch immer wie­der Stein­schlag­ge­fahr von vor­aus­ge­hen­den erwar­ten lässt.

Ellmauer Halt von der Gruttenhütte
Ellmauer Halt von der Gruttenhütte

Jetzt aber wie­der zu den Bedin­gun­gen im April 2011. Da die Tour haupt­säch­lich süd/westlich aus­ge­rich­tet ist, erwar­ten uns (wie gehofft) nur noch einige wenige Schnee­fel­der. Die Schnee­fel­der tauen zudem in der Sonne gut an und sind daher ganz gut zu gehen. Solange die Fel­der aber gefro­ren sind, kommt man fast nicht durch, da kaum Spu­ren vor­han­den sind. Somit sind die steilen Schneefelder wirklich heikel und man muss gut achtgeben. Der Steig selbst ist für geübte Berg­ge­her anspruchs­voll, aber nicht schwie­rig. Leichte Klet­ter­pas­sa­gen sind immer wie­der zu über­win­den und machen den Steig inter­es­sant. Fast durch­gän­gige Draht­seil­si­che­run­gen erlau­ben auch eine Bege­hung mit einem Klet­ter­steigset.

Wie bereits erwähnt, würde ich auf­grund der Weg­füh­rung und des stei­len, pörö­sen Gesteins unbe­dingt einen Klet­ter­steig­helm emp­feh­len und zur Siche­rung viel­leicht auch ein Klet­ter­steigset mitnehmen.

Eine Schlüs­sel­stelle ist die sog. Ach­sel­rinne. Diese recht luf­tige Klet­ter­pas­sage muss über­wun­den wer­den, da die Umge­hung durch einen stei­len Kamin noch mit Schnee bedeckt ist. Nor­ma­ler­weise hilft hier eine Lei­ter beim Auf­stieg, die aber noch unter Schnee ver­steckt ist. Die Schlüs­sel­stelle bie­tet auf­grund der Aus­ge­setzt­heit etwas Ner­ven­kit­zel, ist aber auf­grund der guten Siche­run­gen kein Pro­blem. Jeden­falls bin ich froh über meine La Spor­tiva Trango EVO GTX, die ein­fach einen guten Halt auf dem Fels bie­ten. Etwas schwie­ri­ger gestal­tet sich das Schnee­feld unter­halb der Baben­stu­ber­hütte (Not­quar­tier, nicht Gewit­ter­taug­lich). Da es noch ziem­lich eisig und daher rut­schig ist, ist große Vor­sicht ange­bracht. Da es unten am Schnee­feld auch nicht so viel Spiel­raum bis stei­len Wand gibt, sollte man eher nicht abrut­schen. Aber das war aber auch schon das letzte Hin­ter­niß und wir ste­hen nach 3 Stun­den am Gip­fel des Ell­mauer Halt. Aber etwas fehlt!

Panorama Ellmauer Halt im April 2011
Panorama Ellmauer Halt im Aprill 2011 (nach Osten/Süden)

Das Gip­fel­kreuz hält sei­nen Win­ter­schlaf und liegt zwi­schen Fel­sen ver­keilt sicher in einem wind­ge­schütz­ten Eck. Die geniale Aus­sicht ent­schä­digt aber für das “umge­legte” Gip­fel­kreuz, das schein­bar über den Win­ter zwi­schen den Fel­sen abge­legt wird. Das Pana­orama zeigt natür­lich das kom­plette Kai­ser­ge­birge, im Süden die Hohen Tau­ern, die Zil­ler­ta­ler Alpen, der Rofan und im Nor­den das bay­ri­sche Inn­tal um Rosenheim.

Fak­ten zur Tour:
Start: Wochen­brun­ner Alm (im Som­mer Park­ge­bühr), Ellmau (ca. 15 km von Kufstein entfernt).
Ende: Wochen­brun­ner Alm, Ellmau (ca. 15 km von Kufstein entfernt).
Höhen­me­ter: ca. 1300 hm
Dauer: ca. 6 Stunden

Aus­rüs­tung:
Stein­schlag­helm emp­feh­lens­wert, Klet­ter­steigset (zur Sicher­heit, für Unge­übte) — Klet­ter­steigschuhe wie der La Spor­tiva Trango Evo Gtx sind immer hilfreich.
Anfor­de­run­gen:
leich­ter aber rela­tiv lan­ger Klet­ter­steig, Schwin­del­frei­heit und Tritt­si­cher­heit unbe­dingt erfor­der­lich
Hin­weis: im Som­mer sehr stark fre­quen­tierte Tour
Alter­na­ti­ven: vom Kai­ser­tal über den Kai­ser­schüt­zen­steig (anspruchs­vol­le­rer Vari­ante). Aus­gangs­punkt dann Hans-Berger-Haus oder Stripsenjoch.

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